US-Goldmünzen: Die Faszination des „Wilden Westens“

Wenn in Hollywood der „Wilde Westen“ inszeniert werden soll, sind normalerweise nicht nur coole Cowboys und rauchende Revolver zu sehen, sondern eine ganz besondere Requisite: Goldmünzen waren während der Pionierzeit des 19. Jahrhunderts in den USA völlig alltägliche Zahlungsmittel. Säckeweise wurden sie mit Zügen von der Philadelphia Mint in den Rest des Landes gekarrt, später kamen weitere Prägestätten dazu – darunter auch die legendäre „Carson City“-Mint aus der gleichnamigen Stadt, die als Schauplatz für viele Kino-Western dient.

Bis heute wirkt die Faszination von Cowboy und Indianern, Goldrausch und Großer Depression nach – und es ist durchaus möglich, dass einzelne Münzen, die heute bei pro aurum im Webshop der Numismatik-Abteilung angeboten werden, einst gegen ein Pferd, einen Karren oder andere Kostbarkeiten getauscht wurden. Und selbst ohne diese Phantasie sind die US-Goldmünzen echte Schätze: Einzelne Stücke in Spitzenerhaltung haben bei Auktionen sogar Höchstgebote im Millionenbereich erzielt.

Wer sich die Zeit nimmt, die faszinierende Welt der Goldmünzen der Vereinigten Staaten von Amerika zu erkunden, wird recht schnell diverse Münzmotive entdecken, welche bei Münzensammlern einen regelrechten Legendenstatus haben: Insbesondere die 20 Dollar Goldmünzen sind zu Ikonen der US-amerikanischen Numismatik geworden. Bis 1907 war auf den großen Goldmünzen der „Liberty Head“ zu sehen, zwischen 1908 und 1933 kam der „Double Eagle Saint Gaudens“ in Umlauf. Dieser zeigt auf der Bildseite die Lady Liberty und auf der Wertseite den Weißkopfseeadler vor einem Strahlenhintergrund. Auf den „Liberty Head“-Goldmünzen war die Lady Liberty mit Krone zu sehen, so wie man sie hierzulande von der Freiheitsstatue in New York kennt.

Beide Ausgaben weisen ein Gewicht von 33,43 Gramm und eine Feinheit von 900/1000 Stücken auf, sodass sie knapp 30,09 Gramm Feingold auf die Waage bringen und bis heute bei pro aurum als reguläre Anlageprodukte knapp unterhalb des Preises für eine moderne Feinunze gehandelt werden. Diese Preisgestaltung ist möglich, weil die meisten Jahrgänge und Stückelungen der US-amerikanischen Goldmünzen in hohen Prägeauflagen hergestellt wurden und daher keinen besonderen Sammlerwert besitzen. Ihr Marktpreis ergibt sich aus dem jeweils aktuellen Spotpreis für Gold.

Ein Blick in die Ergebnislisten der großen US-amerikanischen Auktionshäuser macht jedoch deutlich: Goldmünzen aus der Geschichte der Vereinigten Staaten zählen zu den beliebtesten Sammelgebieten der Welt für Profi-Numismatiker – und wer einen besonderen Jahrgang oder ein spezielles Münzzeichen ergattert und später veräußert, kann ein Vielfaches des reinen Goldpreises erzielen. Auch die kleineren Nominale aus Gold werden üblicherweise deutlich oberhalb des Gold-Spotpreises gehandelt – beispielsweise die Eagle-Fractionals zu 2,5 Dollar (Quarter Eagle), 5 Dollar (Half Eagle) und 10 Dollar (Eagle). Auch die „Indian Head“ Goldmünzen sind heute gesuchte Sammlerstücke, sie waren bis zum Goldverbot des Jahres 1933 im Umlauf.

Auch wenn in Deutschland traditionell die Münzen aus der eigenen Geschichte im Fokus der Sammler stehen, lohnt aus Investment-Blick ein Blick über den „großen Teich“: Die USA gelten neben Deutschland als größte Münzensammler-Nation und insbesondere Goldmünzen stehen wegen der langen Tradition der US-Münzprägung, die bis in die Gründertage der Vereinigten Staaten zurückreicht, hoch im Kurs. Einen zusätzlichen Wertaufschlag generieren Münzen mit einem so genannten „Grading“, hierbei handelt es sich um eine professionelle Münzbewertung durch kommerzielle Drittanbieter. Diese Form der Einstufung steckt hierzulande in den Kinderschuhen, doch in den USA bestimmt das „Grade“ in Form einer Note zwischen 1 und 70 maßgeblich den Wert einer Münze.